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Siebtes und letztes Dia: Alle für einen
Im letzten Kapitel der Apostelgeschichte gibt
es einen Vers, der von Ermutigung spricht und den ich auch wirklich sehr
ermutigend finde. Kapitel 28,15: „Und dann kam Paulus nach Rom. Die Geschwister
dort hatten von unserer Ankunft in Puteoli gehört und kamen uns bis Tres
Tabernae, z. T. sogar bis Forum Appii entgegen. Als Paulus sie sah, dankte er
Gott und faßte neuen Mut."
Paulus kommt nach Rom! Endlich! Hier war er
noch nie gewesen, hier wollte er unbedingt hin. Rom - die Welthauptstadt, der
Mittelpunkt seiner Missionsstrategien. Drei Jahre vorher hatte er den Christen
in Rom einen langen und gewichtigen Brief geschickt, den Römerbrief. „Mein
Auftrag gilt auch euch in Rom", hatte er geschrieben. Und: „Ihr sollt wissen,
daß ich mir schon oft vorgenommen hatte, euch zu besuchen, nur stand dem bisher
jedesmal etwas im Weg. Ich möchte, daß meine Arbeit auch bei euch in Rom
Früchte trägt ... Es ist mein Wunsch, auch euch in Rom die Botschaft des
Evangeliums zu verkünden" (Römer 1,6.13.15). Rom - das würde der Höhepunkt
seiner Tätigkeit sein. Rom - die Stadt seiner Träume.
Und jetzt kommt er nach Rom. Aber wie
er nach Rom kommt, das hätte er sich nie träumen lassen, das war eher ein Albtraum!
Er kommt nicht im Triumphzug, nicht als der gefeierte Völkerapostel, sondern
als Gefangener, gefesselt an einen Soldaten. Aufreibende Erlebnisse, demütigende
Erfahrungen liegen hinter ihm:
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die Festnahme durch Leute aus seinem eigenen Volk,
endlose Attacken und Beschuldigungen,
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eine zweijährige zermürbende Haft in Cäsarea,
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mehrere Mordanschläge,
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eine Schiffsreise voller Angst und Schrecken, bei
der er nur knapp am Tod vorbeigeschrammt ist,
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das Überwintern auf Malta, die Weiterfahrt über
Sizilien zum Golf von Neapel mit dem Hafen Puteoli,
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und jetzt als letzte Etappe der anstrengende,
mehrtägige Fußmarsch auf der gepflasterten Via Appia nach Rom.
Je näher sie Rom kamen, desto schwerer mag
Paulus jeder Schritt geworden sein. Was wartet in Rom auf mich? Die
Verurteilung durch Kaiser Nero? Die Hinrichtung, der Tod? Und werden die
Christen auf mich warten? Werden sie freundlich zu mir sein? Werden sie mich
überhaupt empfangen? Wollen sie am Ende gar nichts mit mir zu tun haben? Über
mich kursieren so viele böse Gerüchte. So viel Hetze ist gegen mich im Umlauf.
Ich bin ein Häftling des Römischen Reiches. Es ist gefährlich, sich mit mir
einzulassen, sich als Sympathisant zu outen. Was wartet wohl in Rom auf mich?
Unterwegs, etwa 65 km vor Rom, kommen sie
nach Forum Appii, einer kleinen Ortschaft mit einem Wirtshaus. Und da wartet
doch tatsächlich eine Schar Christen auf ihn, um ihm das Geleit nach Rom zu
geben! Und nochmals 15 km weiter, in Tres Tabernae, wartet eine zweite Gruppe,
um ihn ebenfalls zu eskortieren.
Was für bewegende Augenblicke müssen das
gewesen sein! Was für ein herzlicher Empfang! Was für eine Erleichterung für
Paulus, was für eine Ermutigung! Die Christen von Rom haben mich doch nicht
vergessen! Sie stehen zu mir, sie stehen zum Evangelium. Sie schämen sich
nicht, daß ich ein Gefangener bin. Ich ziehe nicht allein in Rom ein, sondern
umringt und unterstützt von Freunden. Paulus hatte all die Jahre täglich für
sie gebetet; im Römerbrief schrieb er ihnen: „Gott weiß, daß kein Tag vergeht,
an dem ich nicht im Gebet an euch denke" (1,9). Er hatte sie ausdrücklich um
Fürbitte für seine Reise nach Rom gebeten („Betet darum, daß ich vor den
Gefahren gerettet werde, die mir in Judäa von seiten derer drohen, die das
Evangelium nicht annehmen wollen, und daß mein Dienst für Jerusalem von den
Gläubigen dort gut aufgenommen wird"; 15,31). Er hat für sie
gebetet. Haben sie auch für ihn gebetet? Ja, jetzt weiß er es,
jetzt erlebt er die Erhörung seiner Bitte. Jetzt würde sich auch der Wunsch
erfüllen, den er in Römer 15,32 so formuliert hatte: „Dann kann ich, wenn es
Gottes Wille ist, in ungetrübter Freude zu euch kommen und in eurer Mitte eine
Zeit der Ruhe und Stärkung verbringen."
Manchmal stellen wir uns Paulus als einen
heroischen Einzelkämpfer vor, als den großen Solisten der Pioniermission. Aber
diese kleine Begebenheit in Forum Appii und Tres Tabernae zeigt uns ein anderes
Bild. Paulus war nicht einer von jenen großen Helden, die alles besser können
und alles am besten alleine machen. Paulus brauchte die Mitchristen. Er sah
sich selbst nur als einen winzigen Teil des Leibes Christi. Und deshalb sehnte
er sich danach, mit seinen Brüdern und Schwestern zusammenzusein.
Hier auf der Via Appia vor Rom erfüllte Gott
seine Sehnsucht auf eine besonders liebevolle Weise und in einem besonders wichtigen
Augenblick. „Da dankte er Gott und faßte neuen Mut."
So, Paulus ist glücklich in Rom eingetroffen.
Die Apostelgeschichte ist zu Ende. Und unsere Zeit, über diese Geschehnisse
nachzudenken, ist um. Ich danke Ihnen herzlich fürs Zuhören.
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