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Interview mit Herr Dr. Bühner (Deutsche Biblegesellschaft) |
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Der Direktor der Genfer Bibelgesellschaft
im Gespräch mit der Deutschen Bibelgesellschaft:
Herr Dr. Bühner würden Sie uns bitte
etwas aus der Geschichte der
Deutschen Bibelgesellschaft sagen?
Wann und unter welchen Umständen begann
sie zu wirken? Wo ist der Firmensitz,
und wie viele Mitarbeiter sind dort tätig?
Die Deutsche Bibelgesellschaft ist Ende
der 1970er Jahre hervorgegangen aus der
Vereinigung der traditionsreichen Privilegierten
Württembergischen Bibelanstalt und
dem Evangelischen Bibelwerk. Von der
Württembergischen Bibelanstalt hat sie das
Erbe des Bibelverlags übernommen, vom
Bibelwerk die Aufgabe der Bibelmission. Der
Name Deutsche Bibelgesellschaft spiegelt
dementsprechend sowohl den Auftrag, für
die Evangelische Kirche in Deutschland die
Bibelverbreitung/den Bibelvertrieb deutschlandweit
zu übernehmen als auch die
Aufgabe, für die etwa 30 regionalen Bibelgesellschaften
in Deutschland die Arbeit zu
koordinieren. Wir sind eine kirchliche Stiftung
des Öffentlichen Rechts. Wir führen unseren
Auftrag in Abstimmung mit den Kirchen,
aber in eigener Entscheidungshoheit durch.
Als ehemalige Württembergische
Bibelanstalt werden wir in einigen Jahren
(2012) unser 200-jähriges Bestehen feiern
können. Wie zuvor die Württembergische
Bibelanstalt ist auch die Deutsche
Bibelgesellschaft in Stuttgart ansässig.
1981 wurde ein neues Bibelhaus in Betrieb
genommen, das am südlichen Rand von
Stuttgart verkehrsgünstig in der Nähe zu
Flughafen und Autobahn liegt. Die Deutsche
Bibelgesellschaft hat heute 60 Beschäftigte.
Die DBG ist ein Teil der Vereinigten
Bibelgesellschaften (UBS); was bedeutet
das für Sie?
Der Weltbund der Bibelgesellschaften
wurde 1946 gegründet. Die deutschen
Bibelgesellschaften waren durch kirchliche
Vertreter Gründungsmitglieder. Seit der
Umfirmierung der Württembergischen
Bibelanstalt in Deutsche Bibelgesellschaft
nimmt diese die Vertretung im Weltbund
wahr. Heute gehören zum Weltbund der
Bibelgesellschaften 141 Mitglieder. In fast
jedem Land der Erde gibt es eine
Bibelgesellschaft. Aufgabe des Weltbunds ist
die Förderung der Bibelübersetzung und -
Verbreitung. Da in vielen Ländern die
Durchführung dieser beiden Aufgaben nicht
aus eigenen Mitteln bestritten werden kann,
gibt der Weltbund für etwa 120 der 141
Mitglieder projektorientierte Zuschüsse. Die
Deutsche Bibelgesellschaft ist aufgrund ihrer
Spendensammlung „Weltbibelhilfe;“ in der
Lage, die Arbeit des Weltbundes durch einen
jährlichen Zuschuss von etwas 3 Millionen
Euro zu fördern. Der Weltbund arbeitet überkonfessionell und hat Arbeitsbeziehungen zur römischkatholischen
Kirche, zu den orthodoxen
Kirchen und zu den Freikirchen. Im Mittelpunkt
steht die unverfälschte und ungekürzte
Bibel. Sie ist Quelle aller Mission.
Was sind die aktuellen Hauptaufgaben
der DBG?
Die Deutsche Bibelgesellschaft hat drei
Kernaufgaben.
Die erste ist, Deutschland und den
deutschsprachigen Raum mit Bibeln zu versorgen,
die den Kirchen und den Menschen
heute das Wort Gottes nahe bringen. Eine
besondere Aufgabe erfüllt die Deutsche
Bibelgesellschaft in der Bereitstellung von
urtextlichen Bibelausgaben. Unser Novum
Testamentum Graece und die Biblia
Hebraica Stuttgartensia werden weltweit
benutzt und dienen allen Bibelübersetzungen
in der Welt als Grundlage.
Unsere zweite Aufgabe besteht darin, die
Bibelmission und den Bibelgebrauch in
Deutschland zu fördern und die bibelgesellschaftliche
Arbeit zu koordinieren. Das Jahr
der Bibel in 2003 war eine solche herausragende
Aufgabe, der sich die Deutsche
Bibelgesellschaft gestellt hat. Zurzeit arbeiten
wir an einer Bibellesekampagne für
Schulkinder. Unsere regionalen Bibelgesellschaften
betreiben 18 Bibelzentren,
in denen jährlich 120.000 Besucher, vor
allem Schulklassen und Konfirmandengruppen,
auf die Botschaft der Bibel hingewiesen
werden.
Die dritte Aufgabe besteht in der
Durchführung des Spendensammelwerks
„Weltbibelhilfe“. Dies geschieht im Auftrag
der Evangelischen Kirche in Deutschland. In
Ergänzung zu „Brot für die Welt“ soll die
Weltbibelhilfe ein Zeichen der geistlichen
Gemeinschaft der weltweiten Christenheit
unter der Bibel setzen.
Im Bereich unseres Bibelverlags publizieren
wir jährlich etwa 50 neue Titel.
Besonderes Augenmerk legen wir auf neue
Übersetzungen. Für die Kernzielgruppe der
jungen Menschen entwickeln wir zurzeit
„BasisB – Grund genug zu leben“. Dies ist die
erste Bibelübersetzung, die speziell für die
neuen Medien und nicht primär für die
Druckform konzipiert ist. Das Markusevangelium
ist bereits erschienen, bis in fünf
Jahren soll das komplette Neue Testament
vorliegen.
Weitere Schwerpunkte liegen bei den
Kinderbibeln und Hilfen zum Bibellesen für
die Menschen von heute. Besonders gern
werden zurzeit die biblischen Taschenbücher
gelesen. Hier werden unter thematischen
Gesichtspunkten biblische Geschichten
zusammengestellt und kommentiert. Der
Bogen reicht von den Kriminalgeschichten
über Liebes- und Reisegeschichten bis hin zu
Gartengeschichten der Bibel.
Können Sie uns sagen, wie Sie dazu
kamen, sich für die Neue Genfer Übersetzung
(NGÜ) zu interessieren?
Eine Kernaufgabe der Deutschen Bibelgesellschaft
besteht darin, bestehende Übersetzungen
zu pflegen und neue zu publizieren.
Neben der Lutherbibel haben wir als
moderne Übersetzung die Gute Nachricht
Bibel im Programm, über „BasisB“ habe ich
bereits einiges gesagt. Die Neue Genfer
gehört zu den kommunikativen Übersetzungen,
ist aber zugleich nah am Urtext. Diese
Mischung haben wir so noch nicht in unserem
Bibel Programm. Wir wissen, dass etliche
Bibelleser gerade danach fragen. Unter
den verschiedenen Bibelübersetzungen, die
gegenwärtig am Markt angeboten oder
angekündigt werden, scheint uns die Neue
Genfer Übersetzung ein sehr überzeugendes
Projekt zu sein, das wir zusammen mit der
Genfer Bibelgesellschaft möglichst bald den
Deutsch sprechenden Menschen als
Vollbibel anbieten möchten.
Wie planen Sie die Übersetzung des AT?
Welche Anstrengung bedeutet das für die
DBG, und wie lange wird es wohl bis zur
Fertigstellung dauern?
Wir sind dabei, ein Team von Übersetzerinnen
und Übersetzern zusammen zu stellen.
Es soll möglichst 10 bis 20 Personen umfassen.
Durch die relativ hohe Zahl der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hoffen wir,
das Alte Testament in etwa fünf Jahren übersetzt
zu haben. Bewährte Mitarbeiter, die
das Projekt NGÜ schon länger begleiten und
kennen, werden sicherstellen, dass die von
dem neuen Team angefertigten Übersetzungen
das hohe Qualitätsniveau der bisher vorliegenden
NGÜ-Teile erreichen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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