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Der Brief des Apostels Paulus
an Philemon
Predigt
Andreas Symank
Ich
möchte mit Ihnen über eine Begebenheit nachdenken, die sich zur Zeit des Neuen
Testaments abgespielt hat. Sie handelt von drei Männern - einem Sklavenhalter,
einem Sklaven und einem Gefangenen. Kein sehr attraktives Personal! Ich könnte
allerdings auch sagen: Sie handelt von drei Christen. Jetzt klingt das Ganze
schon ein bisschen erfreulicher. Der Sklavenhalter wird in der ganzen Bibel ein
einziges Mal mit Namen genannt, der Sklave genau zwei Mal. Es scheint sich also
nicht gerade um besonders wichtige Leute zu handeln. Und doch sind die beiden -
der Sklavenhalter und sein Sklave - so wichtig, dass der dritte, der Gefangene,
einen Brief über sie geschrieben hat. Diesen Brief will ich Ihnen jetzt
vorlesen. Er findet sich im Neuen Testament, und schon daran können Sie sehen,
wie bedeutsam die Sache ist, um die es damals ging, und dass es sich lohnt,
auch heute noch darüber nachzudenken.
Es
handelt sich um den Philemonbrief, den Brief, den der Gefangene Paulus an den
Sklavenhalter Philemon über den Sklaven Onesimus schrieb. Übrigens haben wir
hier das einzige uns erhaltene Stück Privatkorrespondenz aus der Feder des
Apostels Paulus. Alle andere Briefe sind entweder direkt an Gemeinden gerichtet
(Römer, Korinther, Galater, Epheser, Philipper, Kolosser, Thessalonicher) oder
sie sind zwar an Einzelpersonen gerichtet (Timotheus, Titus), aber Paulus
schreibt an sie in ihrer Funktion als Gemeindeleiter, so dass auch diese Briefe
zum Vorlesen vor der jeweiligen Gemeinde gedacht sind. Die einzige Ausnahme
bildet, wie gesagt, der Philemonbrief. Hier schreibt Paulus in einer ganz
persönlichen Angelegenheit an einen einzelnen Christen. Es ist deshalb auch der
kürzeste von allen Paulusbriefen, die uns im Neuen Testament erhalten sind; er
ist so kurz, dass man ihn später nicht in Kapitel unterteilt hat, sondern nur
in Verse - 25 Verse insgesamt. Man kann sich natürlich noch kürzere Briefe
vorstellen (z. B. so: „Liebe Anrede, es grüßt dich Deine Unterschrift"); aber
verglichen mit den übrigen Paulusbriefen ist der an Philemon schon ziemlich
knapp geraten.
Ich
lese ihn jetzt einmal an einem Stück vor, und zwar nach der Neuen Genfer
Übersetzung. Ich habe diesen Brief erst letztes Jahr neu übersetzt, und Sie
sind die erste Gemeinde, die ihn in dieser Fassung zu hören bekommt!
Paulus
schreibt den Brief natürlich nicht einfach, um ein Stück Papyrus
vollzukritzeln; er hat ein ganz bestimmtes Anliegen. Und hinter seinem Anliegen
steht eben die Begebenheit, die ich eingangs erwähnt habe. So gut wie alles,
was wir von den bewegenden Ereignissen wissen, die sich zwischen dem
Sklavenhalter, dem Sklaven und dem Gefangenen abgespielt haben, wissen wir aus
diesem kleinen Brief. Versuchen Sie mal gleich beim ersten Hören, herauszufinden,
was sich da abgespielt hat und mit welchem Anliegen Paulus an Philemon
schreibt.
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